Funktionstherapie Rhein-Neckar
Funktionstherapie Rhein-Neckar 2018-05-18T06:56:57+00:00

Informationen zur Funktions­therapie

Sehr geehrte Patientin, sehr geehrter Patient,

Ihr Zahnarzt bzw. Ihre Zahnärztin hat die Notwendigkeit einer Funktionstherapie bei Ihnen festgestellt und Sie über das Krankheitsbild und die erforderlichen Maßnahmen aufgeklärt.

Falls Sie noch nie eine funktionstherapeutische Behandlung hatten oder Ihre letzte Behandlung einige Jahre zurückliegt, werden Sie noch eine Reihe von Fragen haben.

Die folgenden Seiten sollen Ihnen helfen, die Fülle an Informationen in aller Ruhe Schritt für Schritt durchzugehen, und erklären Ihnen, wie mit Hilfe der heutigen Funktionstherapie der Kiefer erfolgreich behandelt werden kann.

Wissenswertes zur Funktions­therapie

Funktionelle Störungen und Fehlbelastungen des Kausystems zählen nach Karies und Parodontitis zu den häufigsten Erkrankungen im Mund- und Kieferbereich. Bei etwa 70 Prozent der Bevölkerung sind ein oder mehrere Zeichen einer funktionellen Störung an Zähnen, Zahnhalteapparat, Kaumuskulatur oder an den Kiefergelenken zu erkennen.

Diese funktionellen Störungen werden durch Überlastung der jeweiligen Gewebe verursacht. Beim Kauen und Schlucken berühren sich Ihre Zähne ca. 1.500-mal am Tag, weshalb eine normale (physiologische) Belastung der Kaumuskulatur und des Kiefergelenkes für das Wohlbefinden Ihres Kausystems und seiner Bestandteile sehr wichtig ist.

Knirschen oder Pressen mit den Zähnen ist oft nicht nur stressbedingt, sondern auf funktionelle Störungen im Kausystem zurückzuführen. Mehrere klinische Studien belegen eindeutig, dass auch Kopf-, Nacken- oder Rückenschmerzen Folge einer Funktionsstörung des Kiefergelenkes und dem dazugehörigen Kausystem sein können. Kau- und Bewegungssystem sind also eng miteinander verknüpft und können sich gegenseitig beeinflussen.

Durch Anpassung und Kompensation ist der Großteil der Patienten mit funktionellen Störungen weitgehend schmerzfrei und kann mit diesen Fehlbelastungen leben. 10 bis 20 Prozent der funktionsgestörten Patienten leiden allerdings unter unterschiedlich starken Schmerzen. Nach genauer Diagnostik und Erkennen der Ursachen können wir diesen Patienten helfen.

Um Schmerzen frühzeitig zu vermeiden und die Therapie einfach zu gestalten, sollten erste Zeichen für eine funktionelle Störung nicht übersehen werden. Vor der Anfertigung von Inlays, Kronen, Brücken oder größerem Zahnersatz sollten Sie Ihr Kausystems unbedingt von uns hinsichtlich funktioneller Störungen genauestens untersuchen lassen. Der neue Zahnersatz sollte niemals in ein funktionsgestörtes Kausystem integriert werden.

  • Verluste der Zahnhartsubstanz (keilförmige Defekte am Zahnhals, abradierte Frontzähne, Schmelzrisse, Schmelzbrüche, überempfindliche Zahnhälse)
  • Veränderungen am Zahnfleisch (Rezessionen, freiliegende Zahnhälse, Zahnfleischrückgang nur an einzelnen Zähnen,  Zahnfleischtaschen, Stillman-Spalten, McCall-Girlanden)
  • Symptome an den Kiefergelenken (Knacken, Reiben, Bewegungseinschränkung, Gelenkspringen)
  • Veränderungen im Funktionszustand der Muskulatur (Verspannungen, Knoten, Druckschmerz, Zungen- und Wangenimpressionen, Muskelverdickungen)
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Nächtliches Zähneknirschen oder -pressen
  • Schmerzen im Kiefergelenk
  • Schmerzen in der Kaumuskulatur
  • Kiefergelenksgeräusche: Knacken oder Reiben
  • Veränderungen der Unterkieferbeweglichkeit
  • Einschränkungen der Mundöffnung
  • Ohrgeräusche (Tinnitus), Ohrschmerzen unbekannter Herkunft
  • Migräneartiger Spannungskopfschmerz (Abklärung einer Beteiligung des Kausystems)
  • Schmerzen im Bereich der Halswirbelsäule (Abklärung einer Beteiligung des Kausystems)
  • Kiefergelenkentzündungen nach Gelenkverletzungen, bei rheumatischen Erkrankungen
  • Morgendliche Schmerzen im Bereich der Backenzähne des Unterkiefers
  • Abgebrochene oder flachgekaute Zähnflächen oder Schneidekanten
  • Fehlhaltungen in der Wirbelsäule bis hin zum Beckenbereich
  • Ungleichmäßige Bisshöhe durch funktionsuntüchtigen Zahnersatz oder mangelhafte Füllungen
  • Zahnfehlstellungen, Zahnkippungen
  • Backenzähne ohne Kontakt zum Gegenkiefer
  • Unversorgte große Zahnlücken
  • Zahnfrühkontakte einzelner Zähne
  • Fehlende Führung über die Eckzähne beim Kauen
  • Fehlender Kontakt der Frontzähne zur Orientierung des Unterkiefers
  • Stress im Berufs- oder Privatleben
  • Psychische Faktoren
  • Fehlhaltung und Fehlentwicklung während des Wachstums
  • Berufsbedingte Fehlhaltungen
  • Kieferorthopädische Fehlkorrekturen
  • Orthopädische Probleme im Bereich der Wirbelsäule und des Schultergürtels

Meist wird eine Funktionsstörung nicht durch einen einzelnen, sondern durch mehrere Faktoren verursacht, die das Kausystem unterschiedlich stark belasten.

Ziel der unserer zahnärztlichen Diagnostik ist es daher, zunächst einmal zu ermitteln, welche Faktoren Ihre Beschwerden auslösen und wie stark jeder einzelne Faktor für das Krankheitsgeschehen verantwortlich ist. Danach können wir mit einer zielgerichteten Therapie die einzelnen negativen Faktoren beseitigen.

Nach einer ausführlichen allgemeinmedizinischen und zahnärztlichen Befundaufnahme erfolgt die Untersuchung der funktionellen Störungen in zwei Schritten:

  • Klinische oder manuelle Funktionsanalyse am Patienten
  • Instrumentelle Funktionsanalyse an Kiefermodellen des Patienten

Die gezielte Behandlung der Ursachen ist für die erfolgreiche Schmerztherapie und für das Erreichen einer störungsfreien Funktion des Kausystems von größter Bedeutung. Ohne eine genaue Funktionsdiagnostik können nur unspezifische Muskelverspannungen therapiert werden.

Der Zeitaufwand für die Untersuchung beträgt ca. 60 bis 90 Minuten.

Bei dieser Untersuchung werden die einzelnen Bestandteile Ihres Kausystems durch bestimmte Handgriffe gezielt belastet, ähnlich wie bei einer orthopädischen Untersuchung. So können wir Störungen bestimmter Strukturen genau unterscheiden und diagnostizieren.

Folgende Bestandteile des Kausytems werden hierbei untersucht:

Kiefergelenk

  • Gelenkflächen (Gelenkkopf und Gelenkpfanne)
  • Gelenkkapsel
  • Gelenkknorpel
  • Zone zwischen Gelenkkopf und Gelenkpfanne

Kaumuskulatur

  • Mundschließermuskulatur
  • Mundöffnermuskulatur
  • Mundbodenmuskulatur

Gelenkbänder

  • Überdehnung
  • Verkürzung

Halswirbelsäule (HWS)

  • Beweglichkeit
  • Muskulatur

 Der Zeitaufwand für die Untersuchung beträgt ca. 60 bis 90 Minuten.

An die Untersuchung schließt sich die Analyse Ihrer Kiefermodelle an. Die Modelle werden in einem Kausimulator, der Ihre Situation wiedergibt, untersucht. Die beiden Kiefer und die Zahnkontakte können so „nach außen“ verlagert werden.

Folgende Schritte sind zur instrumentellen Funktionsanalyse nötig:

  • Abdrücke von Ober- und Unterkiefer
  • Herstellung formgetreuer, detailgenauer Gipsmodelle der Kiefer im Zahnlabor
  • Vollkommen schmerzfreie Vermessung der Kiefergelenke: Die Gelenkposition und die Bewegungsbahnen der Unterkiefer werden mit einem speziellen Aufzeichnungsgerät (Gesichtsbogen bzw. Axiograph) bestimmt
  • Übertragung der Messwerte und Kiefermodelle in einen Kausimulator (Artikulator)
  • Analyse der Kieferlage und der Zahnbeziehungen zueinander
  • Genaues Nachvollziehen der Kaubewegungen im Simulationssystem
  • Veränderung oder Einschleifen von Fehlbeziehungen am Gipsmodell

Ist die optimale Kiefer- und Zahnbeziehung am Modell gefunden, können wir diese in die Therapie einfließen lassen und letztlich in Ihr Kausystem übertragen.

Der Zeitaufwand für die Praxis und Laborarbeit beträgt ca. 1,5 bis 2 Stunden.

Die exakte Auswertung von angefertigten Gipsmodellen im Artikulator, die Simulation der Gelenkbewegungen (instrumentelle Funktionsdiagnostik) und die genaue Untersuchung der beteiligten Strukturen wie Muskulatur, Kiefergelenk und Gelenkbänder (manuelle Funktionsdiagnostik) führen zu einer sicheren Diagnose, auf deren Basis wir die nötige Behandlung vornehmen können. Nachdem nun klar ist, welche Faktoren in welchem Ausmaß für die Funktionsstörung verantwortlich sind, erstellen wir einen individuellen Therapieplan für Sie.

Das Ziel des Behandlungskonzeptes ist, Sie mit einer individuellen, optimal abgestimmten Biss-Statik dauerhaft beschwerdefrei zu halten.

Die möglichen Therapieschritte:

  • Medikamentöse Schmerztherapie, falls nötig
  • Schienentherapie zur Positionierung der Kiefer in einer funktionellen, entspannten Kieferstellung
  • Begleitende Behandlung beim Physio- oder Manualtherapeuten
  • Begleitende psychosomatische Behandlung, falls erforderlich

Definitive Umsetzung der erreichten, stabilen Kieferposition – je nach Situation durch:

  • Einschleifen im natürlichen Gebiss
  • Rekonstruktion des Gebisszustandes und Stabilisierung der erreichten Kieferposition mit Inlays, Onlays, Kronen, Brücken oder Prothesen
  • Kieferorthopädische Rehabilitation zur Stabilisierung der erreichten Kieferposition

Das Ziel der Schienentherapie (Aufbiss-Schiene oder Michiganschiene) ist es, Sie schnell von Beschwerden zu befreien. Dies wird in zwei Schritten erreicht:

  1. Harmonisierung und Entspannung der Muskulatur
  2. Erreichen einer störungsfreien, zentrierten Kiefergelenkfunktion

Bei „Knirschern“ schützt die Schiene außerdem die Zahnsubstanz vor Abnutzung oder Frakturen.

Einzelschritte der Schienentherapie:

  • Abdrücke von Ober- und Unterkiefer, Registrierung der Kieferbewegungen
  • Herstellen einer Kunststoffschiene auf formgetreuen Gipsmodellen im Kausimulator
  • Eingliedern der Schiene und erste Kontrolle des Auftreffens der Zähne auf der Schiene
  • Möglichst häufiges Tragen der Schiene – zumindest aber immer nachts
  • Mehrmalige Kontrolle und Einschleifen der Schiene, bis die Zähne gleichmäßig auf der Schiene auftreffen und bei Seitwärtsbewegungen ganz bestimmte Funktionsflächen die Kieferbewegungen führen

Meist werden die Schienen im Oberkiefer eingegliedert. Müssen Sie Ihre Schiene aufgrund therapeutischer Maßnahmen rund um die Uhr tragen, können wir diese aus ästhetischen Gründen auch im Unterkiefer einsetzen. Die Spannung Ihrer Kaumuskulatur wird herabgesetzt und der Kiefergelenkskopf im Kiefergelenk „zentriert“, bis eine stabile Kieferposition erreicht wird.

Je nach Art und Schwere Ihrer Kiefergelenkserkrankung wird die Schienentherapie durch andere therapeutische Maßnahmen unterstützt.

Weitere Einsatzmöglichkeiten für Schienen:

  • Knirscherschienen zum reinen Schutz der Zahnhartsubstanz
  • Repositionsschienen zum Fixieren des Knorpelscheibe (Diskus) des Kiefergelenks
  • Dekompressionsschiene zur Dehnung des Kiefergelenkes

Die Kosten für eine Funktions- und Schienentherapie sind abhängig vom Schweregrad der Funktionsstörung und der Anzahl der beschwerdeauslösenden Faktoren. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die zahnärztlichen Kosten für die Funktions- und Schienentherapie nur zum Teil. Die manuelle und die instrumentelle Funktionsanalyse, ohne wir keine zielgerichtete Therapie durchführen können, sind leider kein Bestandteil der kassenärztlichen Versorgung.

Privatversicherer hingegen übernehmen die Kosten bei begründeter Therapie meist vollständig.

Vor Behandlungsbeginn bekommen Sie einen individuellen Kostenplan, der sich am Umfang der Funktionsstörung orientiert.

Ihre (Termin-) Anfrage:





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Zahnarztpraxis Dr. Jochen
Kerber & Klaus Lauterbach

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